Turbinenschiff ERLANGEN – Mythos und Fluch der Akribik


Moin, moin zusammen!

Dieser Beitrag ist auch in kartonbau.de erschienen; ich möchte jedoch auch die einladen, die nicht in einem Forum schreiben oder aus anderen Gründen einem anderen Forum den Vorzug geben. Ich mag lieber kleine Plattformen, die es erlauben zu diskutieren und daß manchmal auch kontrovers ..

Anfang des Jahres erhielt ich eine Mail mit der Bitte um einen Kontrollbau; ein Freund hatte eine Konstruktion im Maßstab 1:100 gefertigt und bat, eben jenes Modell zu fertigen.
Meine Schiffsglocke läutete so heftig, dass ich anregte, ob nicht ein viel kleinerer Maßstab viel besser – obgleich ohne Unterwasserrumpf – tauge …?
Es begab sich, daß ich am nächsten Tag eine PDF-Datei vorfand, die keine Wünsche offen ließ und sich mir derart offenbarte, daß mein Zeichenprogramm sich direkt aktivierte und gierig nach Betätigung meinerseits verlangte.
Ach so, um welches Objekt handelt es sich eigentlich und warum war ich so mental engagiert auf einem Mal?
Freunde, von denen ich nur ein paar habe, wissen – Schiffe mit Geschichte oder Nischen, in denen ich mich nicht verstecke sondern die ich öffentlich mache und ans Licht führe … dafür entflammt der alte Sack ..
Auslöser für diese ganze Geschichte sind Frank Müller und Helmut Grams; ihr Buch „Die legendäre Flucht des Dampfers Erlangen: Ein Mythos“ gab den Anstoß für Zeichnungen und was nun daraus entsteht – von meiner Seite.

Ich erlaube mir hier mal ganz kurz den Lebenslauf dieses Schiffes, welches in einer Serie von 4 Dampfern für den Norddeutschen Lloyd bei Blohm und Voss in Hamburg als Baunummer 484 entstand, zu skizzieren:

Die ERLANGEN wurde vom Norddeutschen Lloyd Bremen im Dienst zwischen dem US-Golf und Australien und Neuseeland eingesetzt. Sie diente als Zulieferer von Stückgutladung für die von und nach Europa bestimmten Linie-/ bzw. Post-Frachtschiffe des Lloyd.
28. 8. 1939: Die ERLANGEN«verlässt Dunedin, um im australischen Port Kembla (34° 28′ Süd, 150° 54′ Ost) Kohle zu bunkern. Wegen des drohenden Krieges wird zunächst Kurs nach NNO genommen. Im Dunkel der Nacht werden die unbewohnten Auckland-Inseln angesteuert, wo man sich bis zur Klärung der Lage verbergen wollte.
29. 8. 1939 : »ERLANGEN« erreicht abends die Auckland-Inseln (Carnley Harbour) und ankert auf 50° 46′ Süd, 166° 6′ Ost. Nach Kriegsausbruch wird der Plan gefasst, den Bunkerbestand von nur noch 220 t Kohle (Tagesverbrauch 45 t) durch an Land gefälltes Holz aufzufüllen, um Chile als nächstes neutrales Land erreichen zu können.
7. 10. 1939: Auslaufen nach Chile. Auf der Reise dorthin wurde bei günstigem Wind die Maschine abgestellt und die Fahrt mit Behelfssegeln fortgesetzt.
11. 11. 1939: Ankunft in Ancud (41° 52′ Süd, 73° 49′ West), Chile.
12. 11. 1939: Vor Anker in Puerto Mont.
[5]17. 5. 1941:[/b] Auslaufen nach Mar del Plata (38° 0′ Süd, 57° 34′ West) zur Übernahme von Ladung für Deutschland und zum Bunkern von Kohle für die Überfahrt
3. 6. 1941: Ankern vor Mar del Plata.
25. 7. 1941: Selbstversenkung der »ERLANGEN« nach Annäherung des britischen Kreuzers »Newcastle«.

Ich möchte den Ereignissen jedoch nicht vorgreifen … Ihr Stapellauf war 1929 … hier ein Foto aus der Zeit

Ein Schelm, welcher nicht vermutet, wo ich den Trennschnitt für die Rumpfseitenwand gelegt habe?
Nur ein kleines Detail – aber eben der Akribik geschuldet – wie ich schon im Titel schrieb – manchmal ist Akribik auch ein Fluch ..

Ich habe dieses Objekt bewußt gewählt; damals hatten Piet und ich oft herumgekaspert; er wollte ja noch einen Hansa-Dampfer machen aus den Zwanzigern, der später als Schleuderschiff; leider kam es nicht mehr dazu. Ich habe mir gedacht, ich nehme den Faden mal auf – NDL-Dampfer zum einen und 3-Insel-Dampfer zum anderen sind nicht direkt im Maßstab 1:250 vertreten. Und ich möchte mich hier mal auf ein Schiff einlassen, dass weit vor meiner Zeit entstanden ist, und auf dem ich mich dann aber sehr viel später zurecht finden kann – allein Dampfwinden sind schon mal eine Herausforderung .. die Dampfleitungen dahin allemal ..
Ich nehme es als Fingerübung für die 8 Schiffe der -fels-Klasse der Hansa-Reederei .. die als nachfolgend bei mir entstehen wird. Ob es die Kandel-, Golden-, Kyb- oder eine andere fels wird? Die Werftpläne liegen jedenfalls schon mal vor ..

Ach ja, ich werde hier ein Handmuster erstellen, was nicht in allen Teilen komplett und nur der Machbarkeit dienen wird; das komplette Modell werden dann Freunde erstellen, die daß sehr viel besser als ich können …
mit einem lieben Gruß – Wilfried

Kategorien:Konstruktionsbüro
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