Ätzteile – Vorbereitung und Tips für die Anwendung


Von fast allen etablierten Anbietern von Schiffsmodellen im Maßstab 1:250 werden heute Neusilber-Ätzteile als Zubehör angeboten. Bei Spezialisten wie Peter Hurler lassen sich ganze Bauteilgruppen aus diesem Material erstellen und sind eigentlich schon ein Modell im oder auf dem Modell.
Ich will hier auch keine Wertung abgeben ob manche Teile zuviel, kompliziert im Zusammenbau oder andere gar schlicht überflüssig sind, weil man sie ja aus Karton selbst herstellen kann.
Ebenso müssig ist die Preisdiskussion. Wer aus seinem Kartonmodell so etwas wie ein Kleinserienmodell machen möchte, der kommt schnell auf Summen nahe 100 Euro für eine Fregatte der Bundesmarine.
Nur – wer sich einmal die Preise in anderen Hobbybereichen ansieht, wird schnell festellen daß wir uns in unserem Metier preislich ganz unten auf der Skala befinden.
Also, wie gehe ich denn mit der Platine um wenn sie auf meinen Tisch liegt.
Ich möchte hier einmal meine Vorgehensweise beschreiben. Sicherlich gibt es noch hundert andere, die genauso gut und hilfreich sind …
Ich habe seit längerer Zeit einen grossen Vorrat an Finnpappen 1 bis 2 mm im Hause; die Firma Boesner hat ein gut gefülltes Sortiment und ist preislich auch sehr moderat. Auch Architekturbedarf.de und Modulor in Berlin liefern zu guten Konditionen.

Da liegt sie also nun; ich nehme das Maß der Platine ab und schneide aus 1 mm Finnpappe ein Passepartout mit Untermaß; dann plaziere ich die Platine so, das die „Schichtseite“ unter die Pappe kommt und fixiere sie mit Klebestreifen aus Tesakrepp – ich nehme bewußt hier das Markenfabrikat.

Ich habe hier eine bereits „angebissene“ Platine für das Beispiel-Foto genommen.
Als nächstes die Zutaten für die „chemische“ und farbliche Vorbereitung;

Da die Platine durch das Passepartout und vernünftiger Fixierung durch die Klebestreifen eine anständige Stabilität hat setze ich als erstes den Kaltentfetter von Ballistol ein; aus 20 cm – schräg halten – beidseitig einsprühen und so abstellen daß die „Flüssigkeit“ ablaufen kann. Alte Zeitungen sind hilfreich und – alle folgenden Arbeitsgänge erfolgen zu erträglichen Temperaturen, und im Aussenbereich.
Ich erledige es immer für mehrere Platinen; macht Sinn und man hat immer einen Vorrat, Relinge, Trommeln, Steigleitern ….
Den Vorgang mit dem Entfetter wiederhole ich nach 2 Stunden noch einmal. Anschliessend lege ich die Platine auf einen Zeitungsstapel und mit einem weichen Kantenpinsel unter Zuhilenahme von Aceton entferne ich eventuellen „Schmott“ beidseitig von der Platine.

Sodann erfolgt die Grundierung; ich habe mit den folgenden Produkten über die Jahre gute Erfahrungen gemacht:
Duplicolor Grundierung Primer Grey – Bestell-Nr. 744028 für spätere Farbaufträge mit kunstharzbasierten Lacken und Vallejo Hobby Paint 28011 Grey für anschliessende Verabeitung mit Acrylprodukten.
Wie – Spraydosen? Und ich sage ja! Die Dosen geschüttelt, bis der Arm nicht mehr will und dann aus einer Entfernung von ca. 20 cm leicht auf die Platine … und nur einen Hauch … etwas warten und dann noch einmal … weniger ist hier mehr …

Dann die Dose auf den Kopf haltend die Düse freispritzen. Ich schreibe immer das Datum auf die Dose, die letzte habe ich aus 2005 am 8.8. 2021 durch eine neue ersetzt …
Und nebenbei, ich besitze eine DeVilbiss Aerograph Super, o.15 mm Düse, 1 Harder & Steenbeck Infinity mit den beiden Düsensätzen; 2 Revell-Badger und noch eine Badger mit 0,5 mm Düse … trotzdem nehme ich die Dosen. Geht schneller und erspart Reinigungs-Misch- und andere Vorgänge ..
Ich denke, das Foto der grundierten Platine ist aussagekräftig genug?
So, wie kommt das Zeug nun aus der Platine und wie biegt man es bei Bedarf?
Hier eine Vorstellung meiner Werkzeuge .. nix aufregendes …

Von links nach rechts: eine Splitterpinzette für kleine und kleinste Teile – bei Ätzteile sehr behutsam einsetzen; für Relings, Steigleitern und alle Bauteile, bei denen man „Verhaken“ kann – eine gerade Flach, auch Briefmarkenpinzette und ein gekröpfte Version.
Eine Schere zum Abtrenne von Relingsteilen und Verbindungsstegen – wenn der Platz dafür ausreicht und ein „Skalpell“ der gröberen Art; abstechen der Stege direkt am Bauteil und fixieren mit einem kleinen Stahllineal, welche hier nicht abgebildet ist.
Der Untergrund des ganzen ist: eine Schneidematte der harten Art; und – ganz wichtig zum sauberen Erkennen der Teile – eine schwarze oder graue Pappe!
Wöhrend der ganzen Tätigkeiten bleibte die Platine im Patzepatu, wie meine Tochter früher als Kind zu sagen pflegte …
Und noch ein Tip; ich schneide das Passepartout immer auf DIN A4 Format; weil – kommt nach oder bei Nichtgebrauch – in eine Kunststoffhülle – da verkantet dann auch nichts mit Nachbarplatinen … grosses Grinsen meinerseits.
Manche Bauteile erfordern eine Behandlung der 3. Dimension – auch dafür gibt es mehrere Lösungen, ich habe mich für diese entschieden:

Das Kant- und Biegewerkzeug heißt THE BUG – kommt aus den USA und habe ich vor Jahren mal für ca. 35 Euro erworben; ist auf seiner eigenen Arbeitsplatte dreh- und anschließend mittels Drehknopf rast- und fixierbar. So hat man immer die richtigen „Halter“ zum Biegen parat.
Die Kanten der Arbeitsplatte selbst sind absolut lotrecht, so kann man auch nach unten grössere Teile abkanten, so denn erforderlich …
Als Kanthilfe liegt eine stabile Klinge bei, die gut unter die feinsten und filigransten Bauteile greift – auch bei Handläufen von Niedergängen ..
Als Haltehilfe empfehlen sich Klemm- oder Lötpinzetten, von denen ich immer eine ausreichende Anzahl im Zugriff habe.
Wie ich Niedergänge mit diesem „Gerät“ in Serie kante, werde ich in einem der nächsten Beiträge zeigen … ausserdem, Versuch macht kluch und es muss nicht immer eine aufwendige Platine sein .. einfach mal mit ein paar Relingen probieren … es lohnt
Mit einem Gruß
kartonskipper

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